Querdenker-Perspektiven auf dein Leben und deine Arbeit.

Reizüberflutung – Wir verlieren alle den Verstand!

Sensorische Deprivation ist der Entzug von sensorischen Reizen. Eine Situation, die wir heute so gut wie gar nicht mehr erfahren. Dabei ermöglicht sie den Blick nach Innen, und somit das Hinterfragen äußerer Einflüsse. Ein großes Problem.

In Guantanamo soll sensorische Deprivation lange das Foltermittel der Wahl gewesen sein. Damit sie sich jedoch als Foltermethode eignet, müssen wirklich sämtliche Reize unterbunden werden. Eine dunkle Kammer ohne jegliche Geräusche. Aber bei der heutigen Reizüberflutung ist für viele Menschen selbst eine Reduzierung der Reize um in etwa die Hälfte schon eine Art Folter.

Die wenigen Momente, in denen wir im Alltag nur eine starke Reduktion von sensorischen Reizen erleben, sind die Momente, in denen wir auf einen Sonnenuntergang schauen, am Strand spazieren gehen oder im Wald joggen gehen. Vorausgesetzt wir hören beim Joggen keinen Podcast oder fotografieren den Sonnenuntergang für Instagram.

Da genau diese Dinge in den oben beschriebenen Situationen eine gewisse Selbstverständlichkeit entwickelt haben (wer joggt heute noch ohne Kopfhörer? Wer schaut einen Sonnenuntergang ohne ein paar Fotos zu machen?) gibt es für uns keine Momente der der sensorischen Deprivation mehr.

Wir werden nur noch dauerhaft von außen beschallt, und haben keine Möglichkeit mehr, nach innen zu schauen. Eigentlich kein Wunder, dass wir den Verstand verlieren.

Besonders problematisch wird dies in der Informationsflut des Netzes, wenn du dich in einen Strudel aus äußeren Einflüssen bewegst. Beispiel: Finanzieller Erfolg.

Wer ein Online-Business starten möchte, und die dem Thema entsprechend bekanntesten Blogs, Podcasts und Youtuber abonniert hat, wird fortwährend mit den gleichen Parolen beschallt: Dein Weg zum Erfolg, So erreichst du deine erste Million, Die besten Hacks dein Leben zu optimieren, hustle hustle hustle, und so weiter.

Dir wird dauerhaft, bewusst oder unterbewusst, von außen indoktriniert, was wirklich zählt. Erfolg, Geld, Status. Indirekt schreit das: Du bist nicht genug!

Es verrät dir aber selten jemand, dass der schnellste Weg zu Reichtum der Blick nach innen ist. Der schnellste Weg zu Reichtum ist: Dass Du deinen Reichtum einfach selbst definierst. Du setzt die Messlatte einfach selbst, anstatt jemand von außen.

Wo willst du eigentlich hin? Was ist dir wirklich wichtig? Das weisst du nur, wenn du auf deine Intuition hörst – frei von der Beschallung durch Andere. Und ein Stück weit auch frei von deinem eigenen Verstand, der – auch wenn du nach innen schaust – meist befeuert ist von den äußeren Einflüssen.

Jetzt wirst du vielleicht protestieren, und sagen, dass du dir durchaus viel Zeit nimmst, um nachzudenken. Aber auch hier liegt ein Problem. Denn wenn du in ruhigen Momenten zu 100 Prozent in deinem Verstand gefangen bist, schaffst du einen neuen, sensorischen Reiz, diesmal jedoch von innen. Im Verstand wohnt dein Ego. Ein selbsterzeugtes Bild von dir selbst, dass oft kein guter Ratgeber ist.

Auch deine eigenen Gedanken sind eine durch außen gefütterte Beschallung. Sie sind nicht das „echte Du“. Das findest du nur durch… genau: Sensorische Deprivation. Nicht in dem Maße, in dem sie zur Folter eingesetzt wird. Aber in einem deutlich stärkeren Maße, als der Durchschnittsmensch sie heute noch erlebt.

Du kannst im Leben nicht ankommen, du kannst das Leben nur „spielen“, aber es nicht gewinnen. (Dazu habe ich hier einen Artikel geschrieben.) Wir wollen immer mehr. Oder etwas Neues. Das Geheimnis ist somit nicht, anzukommen, sondern zu akzeptieren, dass es für uns niemals genug ist. Das ist wie mit dem Hasen und der Karotte an der Angelschnur. It’s never enough!

Schalte die Social Media Beschallung viel häufiger ab! Lass das Handy zuhause, wenn du einen Sonnenuntergang anschauen gehst.Höre keine Podcasts, wenn du laufen gehst. Höre so oft es geht nach innen, indem du die Reize von außen radikal reduzierst.

Mir geht es auch oft so, dass ich, nach intensiver Beschallung durch irgendwelche Youtuber-Business-Videos wieder der Meinung bin, ich müsste unbedingt X Stunden mehr am Tag arbeiten, damit ich in Y Jahren Z Millionen habe. Aber nach 60 Minuten des Laufens ohne Beschallung und des reinen Hörens nach innen, fange ich dann an, herzlich über mich selbst zu lachen.

Aktuell habe ich meine äußere Social Media Beschallung umsortiert, viele Kanäle nicht mehr abonniert. Dafür andere hinzugefügt, auf denen es eben genau um dieses Thema geht: Wie reduziere ich die Reize. Wenn schon äußere Reize, dann zumindest solche, die mir sagen, wie ich äußere Reize abbauen kann. Das tut unglaublich gut und war eine grandiose Entscheidung. Ich lade dich ein, es selbst einmal auszuprobieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.