Querdenker-Perspektiven auf dein Leben und deine Arbeit.

Das Streben nach Glück macht unglücklich

Lange bin ich diesem falschen Konzept hinterher gelaufen, in der Hoffnung das Glück irgendwann am Straßenrand sitzen zu sehen und einfach mitnehmen zu können, so wie einen verlassenen Straßenhund, der um Liebe bettelt.

Hin und wieder habe ich es auch gefunden. Aber es ist nie lange geblieben. Depressionen und innerliche Unruhe kamen immer wieder zurück. Ganz egal wie „gemütlich“ ich es dem Glück und mir auch gemacht habe, es ist immer wieder ausgebüchst.

Ich habe meinen Job als Architekt aufgegeben und bin durch die Welt gereist. Das war spannend für eine Weile, aber irgendwann kam die Frage in mir auf „Was machst du hier eigentlich? Hast du einen Grund da zu sein, wo du gerade bist, oder konsumierst du die Orte eigentlich nur wie ein Big Mac Menü?“. Seither hat mich Reisen oft nur noch gelangweilt, es sei denn, es war mit den richtigen Menschen.

Ich habe eine heruntergekommende Wohnung gemietet und komplett renoviert. Dann bin ich kurz danach wieder ausgezogen und in ein Haus mit Garten gezogen, um Platz zu haben. Dann wurde es mir zu groß, und ich bin zurück in eine Großstadt-Wohnung gezogen. Da wurde es mir zu eng, und ich bin aufs Land geflohen. Dieses hin und her zieht sich seit Jahren durch mein Leben.

Ich habe ein Business aufgebaut, dass ortsunabhängig ist, mir Spaß macht, mich mit tollen Menschen zusammenbringt und auch noch meinen Lebensunterhalt sichert. Aber auch das wird zur Routine und reicht somit nicht mehr aus, um glücklich zu sein. Erst durch neue Ideen und Projekte lebe ich wieder auf.

Aber was habe ich falsch gemacht? Warum kam immer wieder dieses Loch?

Seit einer Weile suche ich das Problem nur noch in meinem Kopf. Das hat mich der Lösung deutlich näher gebracht.

An neue Vorhaben und Pläne bin ich stets mit der Erwartungshaltung herangegangen, das dies nun die ultimative Lösung für dauerhaftes Glück sein müsse. Und das war der größte Fehler dabei! Ich habe nach dauerhaftem Glück gestrebt, dem einen, perfekten Setting, dass für die nächsten 40 Jahre funktioniert. Dabei war ich immer nur so lange glücklich, wie ich ein neues Vorhaben angehen konnte. Eine neue Wohnung, ein neuer Ort, ein neues Projekt. Wenn dieses Vorhaben aber abgeschlossen erschien, kam das Loch zurück.

Dies hat mich zu der Frage geführt: Was ist, wenn wir nicht nach dem Glück streben sollten, sondern nur durch das Streben selbst glücklich sein können? Dabei geht es eben nicht um das Erreichen von Zielen. Ganz im Gegenteil. Es geht außschließlich um den Weg dorthin, der uns glücklich macht. Ist das Ziel erreicht, brauchen wir ein Neues.

Die Phasen größter Zufriedenheit waren für mich, wenn ich ein neues Zuhause renovieren konnte. Etwas gestalten konnte. Oder eine Idee ausarbeiten konnte. Oder andere Projekte, die idealerweise dauerhaft in Bewegung bleiben, und einen immer wieder vor neue Herausforderungen stellen.

Aufgrund dieser Erfahrungen möchte ich die folgenden Thesen in den Raum stellen:

1. Es ist kontraproduktiv, die ultimative Sache zu suchen, die dich für immer glücklich macht. Die gibt es für die meisten Menchen nicht. Es ist besser, sich Herausforderungen zu suchen, und auf ihnen wie auf einer Happyness-Welle zu reiten. Manche Wellen kann man über Jahre reiten, andere Wellen nur wenige Wochen, und das ist total okay.

2. Die Zeiten dazwischen, in denen man sich mal nicht so gut fühlt, sind okay. Wir brauchen sie sogar. Dauerhaftes Glück ist Illusion. Ying und Yang. Vielleicht können wir sogar versuchen, diese Phasen soweit es geht zu genießen. Durch etwas Melancholie zum Beispiel. Melancholie ist ein tolles Gefühl.

3. Größte Falle von allen: Das Glück zu erwarten, nachdem ein Ziel erreicht wurde. Das Glück liegt immer und ohne Ausnahme im Weg dorthin. Nicht im Ziel selbst. Das Ziel ist nur der kurzzeitige Höhepunkt. Im Grunde wie ein Orgasmus. Ähnliches Phänomen: der Versuch sich glücklich zu Kaufen. Das neue Auto wird ratz fatz langweilig.

4. Setze dir Ziele, die dich herausfordern und begeistern. Sei dir bewusst, dass der Weg zwischen Dir und dem Ziel der Spannungsbogen ist. Hier passiert die Magie. Plane entsprechend. Dein Ziel ist das Ende des Films. Aber das Abenteuer, das was Spaß macht, ist alles, was dazwischen liegt.

Ich finde, diese Sicht auf die Dinge sorgt auch für eine Menge Entspannung im Leben und nimmt den Druck raus, denn man muss nicht mehr das finale Setting fürs Leben suchen. Man wird mutiger, weniger ängstlich, wenn man erkennt, das es kein „Glücksplateau“ gibt, und das das Leben eben eine Achterbahn ist.

Man kann jedoch, und das ist vermutlich das Entscheidende, die Loopings und Ups & Downs in dieser Achterbahn selbst planen. Wie lang und wie steil sie sein sollen, und wie viele es davon geben soll.

Mit dieser Sicht auf die Dinge, kann ich auch meinen Frieden damit schließen, eine vollständig renovierte Wohnung nach 6 Monaten notfalls wieder zu verlassen. Oder meinen Wohnort alle 12 Monate zu ändern. So komme ich aus der Falle heraus, immer in die Zukunft projizieren zu müssen. Das perfekte Setting suchen zu müssen. Das perfekte Setting für jetzt ist genau so, wie es jetzt gerade ist. Was morgen ist, kommt morgen. Aber die nächste Herausforderung, den nächsten Film, den nächsten Looping, kann man ja schon einmal vorbereiten…

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