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Allein sein ist nicht einsam sein

Hast du dich früher auch oft schlecht gefühlt, wenn du an einem Wochenende keine Verabredungen getroffen hast, obwohl du eigentlich gar keine Lust auf Menschen hattest? Ich kenne dieses Gefühl noch sehr genau. Den Druck, doch unbedingt unter Leute gehen zu müssen. Aber woher kommt das eigentlich?

Nicht viele Menschen können gut mit sich allein sein. Die meisten unterliegen dem ständigen Drang sich mit anderen Menschen zu umgeben und ihre Allein-Zeit auf das Allernötigste zu reduzieren. Fast wie eine allgegenwärtige Angst davor, dass einen negative Gefühle erfassen und verschlucken.

Dabei heisst allein sein nicht unbedingt einsam sein. Wer mit sich allein sein kann, ohne von schlechten Gefühlen übermannt zu werden, der hat so viele, neue Möglichkeiten.

Vor allem ist es aber unsere gesellschaftliche Norm, die uns sagt: Allein sein ist nicht gut! Somit fühlen wir uns als Sonderling, wenn wir zu viel Zeit allein verbringen. Es gibt jedoch kein „Handbuch des richtigen Mensch-Seins“ das uns vorgibt, wie viele Stunden mit uns allein in Ordnung sind und wann es doch ein wenig „komisch“ ist. Es gibt kein falsch und richtig.

Ich selbst war, obwohl ich als introvertierter Mensch sehr viel Zeit für mich selbst benötige, immer von einem schlechten Gewissen getrieben, zu viel allein zu sein. An Möglihkeiten mangelte es nicht. Vielmehr aber häufig an der Lust, gerade andere Menschen zu sehen. Ich bin einfach gern mit mir und meinen Gedanken allein. Das schien mir aber lange falsch.

Erst seit ich diesen Glaubenssatz für mich abgelegt habe, kann ich mich in meinem „allein sein“ suhlen und jeden Moment davon genießen. Ein Wochenende nur für mich? Wie großartig ist das denn bitte? Ich kann machen, was ich will. Essen, was ich will. Meine Zeit einteilen, wie ich will.

Klar, ab und zu wird aus dem „allein sein“ auch mal „einsam sein“ und man muss durchaus aufpassen, dass man die lieben Menschen um einen herum nicht vergrault, die doch gern mit einem Zeit verbringen. Denn immer und ewig allein zu sein – das will dann doch niemand.

Aber ein schlechtes Gewissen oder gar Angst davor zu haben, mal für 3, 4, 5 Tage oder länger ganz mit dir allein zu sein, solltest du darum bestimmt nicht haben.

Immerhin ist allein zu sein doch immer die bessere Alternative, als mit Menschen Zeit zu verbringen, die dich eigentlich gar nicht richtig interessieren, und die du nur benutzt, um deine Einsamkeitsgefühle zu verdrängen. Wenn schon Zeit mit anderen Menschen, dann sollten diese Menschen, genau so wie du ihnen, dein Herz ausschütten. Ihr solltet Euch nicht gegenseitig wie bei einem Schauspieler-Casting eure Ego-Rollen vorspielen. Ihr solltet euch gegenseitig nackig machen. Bildlich gesprochen (oder in echt – ganz je nach Mensch).

Das Leben ist zu kurz Schauspielerei und belanglose Gespräche. Ich verbringe Zeit mit Menschen, die mir etwas geben und denen ich etwas geben kann. Egal auf welcher Ebene. Kann ich das nicht (oder können sie das nicht) dann schenke ich meine Zeit viel lieber mir selbst. Gegenüber mir selbst verstelle ich mich nie, und habe (fast) immer gute Gespräche. Allein sein sollte endstigmatisiert werden. Zeit mit Menschen sollte mehr Bedeutung haben. Das Leben ist kurz!

Allein sein kann man im Übrigen auch wunderbar in der Umgebung anderer Menschen. Ich liebe es, in einer Gruppe netter Menschen allein zu sein. Entweder man fokussiert sich wirklich aufeinander, oder man existiert einfach nebeneinander – im selben Raum. Alles dazwischen ist doch Quatsch.

 

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